.

Stühle kippen, Teamentwicklung

Posted on

Beim Stühlekippen handelt es sich um eine interaktive systemische Methode für Training und  Coaching und Teamentwicklung.

Ablauf

Es wird ein Stuhlkreis gebildet. Die Teilnehmer stehen außen hinter ihren Stühlen und halten die Stühle nach vorne gekippt im Gleichgewicht mit der rechten Hand. Die linke Hand darf nicht eingesetzt werden. Der Stuhl steht also auf den Vorderbeinen. Der Auftrag ist, um die Stühle im Kreis zu laufen, ohne dass die Stühle umkippen. Auch ist nicht erlaubt, dass ein Stuhl zwischen zwei anderen eingeklemmt wird und von allein „steht“ oder dass ein Stuhl im Laufe des Kreisgehens ohne Hand bleibt.
Die Gruppe muss sich organisieren und ihr Tempo allein bestimmen. In sehr kleinen Gruppen kann von vornherein 2 Runden vorgegeben werden. Sobald ein Stuhl fällt oder die Regeln verletzt werden, muss die gesamte Gruppe an den Anfang zurück.

Varianten:

  • Es darf dabei nicht gesprochen werden.
  • Das Tempo muss erhöht werden.
  • Die Richtung ändert sich.

Einsatz und Ziele

  • Teamentwicklung
  • Kooperation und Prozesse optimieren
  • Auflockerung nach Pause
  • Teamzusammenarbeit und Kommunikation entwickeln
  • Teamergebnisse verbessern

Reflexion und Auswertung nach Übung

  • Was haben sie erlebt?
  • Wie sind sie vorgegangen?
  • Wann funktioniert es?
  • In welcher Richtung haben Sie sich orientiert?
  • Was braucht es, um besser zu funktionieren?
  • Welche Widerstände gab es?
  • Wie war es für diejenigen, bei denen die Stühle gefallen sind?
  • Woher kennen sie das?
  • Welche Erkenntnisse können sie in den Arbeitsalltag übertragen?
  • Was hat das mit Führung zu tun?
  • Wer hat die Führung übernommen? Wie war das für Sie? Wie war es für das Team, ihm / ihr die Führung zu lassen?

Anekdoten und Praxisbeispiele

Die Übung „Stühle kippen“ habe ich bereits in sehr unterschiedlichen Gruppen und Ebenen eingesetzt und kann sie sehr empfehlen. 2 Teams sind mir sehr in Erinnerung geblieben.


Die erste Geschichte stammt auf einer Gruppe von 12 Feuerwehrmännern (mit Feuerwehrbus zum Seminarort gefahren, selbstverständlich knallrot. Ich durfte mit dem Bus mitfahren zum Bahnhof und wurde dort auch wieder abgeholt am nächsten Seminartag, das war ein sehr cooles Erlebnis).

Ich habe die Herren gebeten, die Stühle aufzustellen und wohlweislich die Aufgabe gestellt, 2mal im Kreis zu laufen. So schnell konnte ich nicht schauen und sie waren zweimal im Kreis gelaufen, dann kam das Kommando aus der Gruppe und alle drehten um und marschierten in die andere Richtung!

Dann kam die Frage: „Und nun?“

Dass die Übung für sich gesehen ziemlich witzlos war, liegt auf der Hand. Sie werden mich jetzt fragen, warum ich sie überhaupt gemacht habe. Weil das Thema des Seminars Konflikte im Team waren. Außerhalb des Einsatzes gab es völlig normale Teamdynamiken und persönliche Animositäten. Im Einsatz jedoch wurde alles zurückgestellt. Und Stühle kippen war Einsatz!


Die zweite Gruppe war ein Seminar zum Thema“Umgang mit schwierigen Situationen“. Es waren Vorzimmerdamen von Bürgermeisterämtern. 6 der Damen waren um die 50 Jahre alt, eine junge Frau war recht neu und Anfang 20. Der Auftrag an die Gruppe war beschrieben, die Bitte im Kreis zu gehen gesetzt. Es gelang einfach nicht. Ein Stuhl fiel, der nächste und nächste und nächste. Nach jedem Neustart wurden die Teilnehmerinnen ungehaltener, jemand stampfte mit dem Fuß auf und äußerte, dass sie keine Lust mehr habe.

Nach einem Stopp und kurze Reflektion meinerseits, was es denn brauche, damit es funktioniere, kam der Beschluss, eine Ansagerin zu bestimmen. Es handelte sich um das jüngste Mitglied der Runde und die Übung war dann zügig zu Ende gebracht.

Analyse und Hypothesen: Am Anfang gelang es den Teilnehemerinnen nicht, weil jede allein versuchte, eine Teamübung zu bewältigen. Das kann nur gehen, wenn der einzelne sich ein Stück zurücknimmt, Rücksicht auf den Hintermann nimmt und nach vorne schaut sowie eine einheitliche Taktung und Struktur.

Als die junge Dame die Taktung übernahm, bemerkte ich viel Rücksicht und Freundlichkeit seitens der erfahreneren Kolleginnen. Sie genoß noch den „Welpenschutz“ und Anfänger durften Fehler machen, es war gar kein Problem mehr, als auch hier erstmal noch Stühle kippten. Es war schön, das zu beobachten.


Sie sehen, es handelt sich nicht einfach nur um ein Spiel, sondern gerade die Dynamiken und Reflektion machen die Methode so wertvoll.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg damit und freue mich auf Fragen und Kommentare.

eingereicht von Gisela Krämer, PFEOS Kompetenz-Zentrum

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.