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Perzeptionsklärung

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Perzeptionsklärung. Mediation.

Als Perzeption (engl. perception, von lat. percipere „wahrnehmen“) wird die Gesamtheit der Vorgänge des Wahrnehmens (oder Empfindens) bezeichnet. Die Perzeptionsklärung ist eine Möglichkeit, schrittweise sich der Unterschiedlichkeit von Wahrnehmungen anzunähern und eigene Anteile an Bewertungen von anderen Personen zu erkennen. Wir tragen alle dazu bei, selbst durch „Nichtstun“, dass andere ihre Vorstellungen und Bilder und Interpretationen entwickeln. Nichts tun ist ja auch etwas gemacht, nämlich nichts getan.

Ebenso wissen wir ziemlich genau, wie wir andere Menschen „hochbringen“ können und Triggerpunkte treffsicher anzusteuern.

Die Perzeptionsklärung setzt hier an. In der Mediation oder Konfliktmoderation gibt es vor allem anfänglich Momente, in denen eine Schuld auf den anderen projiziert wird. Statt spiegeln, paraphrasieren, aktives Zuhören, doppeln… finden Sie hier eine andere Vorgehensweise, die erstaunliche und gute Ergebnisse und Erkenntnisse bringt.

Ziele der Perzeptionsklärung

  • Subjektivität der Wahrnehmungen erkennen
  • Unterschiede und Abweichungen zwischen Selbst- und Fremdbild analysieren
  • Verzerrungsmechanismen erkennen, die sich auf das Verhalten auswirken
  • Wahrnehmungsverzerrungen erkennen und zukünftig unterbinden

Ablauf der Methode Perzeptionsklärung

Teil 1

  1. Teil Eins findet in Einzelarbeit statt. Jede Partei schreibt auf eine Karte einmal das Bild, das sie von der anderen Konfliktpartei hat. Hier sind Bewertungen völlig normal.
  2. Dann wird auf eine andere Karte oder die Rückseite das Selbstbild erfasst. Wie sieht die Konfliktpartei sich selbst.

 

Partei A Partei B
So sehen wir B:

·         intelligent, aber oberflächlich

·         auf eigene Vorteile bedacht

·         wenig zuverlässig

So sehen wir A:

 

So sehen wir uns selbst: So sehen wir uns selbst:

 

Teil Zwei

  1. Im Plenum werden die FREMDBILDER nacheinander präsentiert.
  2. Ich bitte im Normalfall mindestens darum, dass die Stühle gedreht werden, damit die Parteien die Reaktionen der Anderen nicht sehen können. Meistens stelle ich einfach eine Pinnwand dazwischen und den Stuhl in eine Richtung, die angenehm zu schauen ist (aus dem Fenster.. ins Grüne). Das macht es deutlich leichter, die Meinung zu sagen und nicht irgendetwas zurückzuhalten.
  3. Sie als Mediator / Moderator unterstützen bitte dabei, das Gesagte als subjektiven Eindruck darzustellen. 
A präsentiert B: B präsentiert A:
So sehen wir B: So sehen wir A:
  • Mein subjektiver Eindruck war…
  • Ich habe es so wahrgenommen…
  • Ich hatte das Bild…
  • In meiner Erinnerung war es so…

4. Die Konfliktparteien stellen Klärungsfragen. Rückfragen werden beantwortet.

5. Mediator hinterfragt:
„Ist das klar?“ „Haben Sie verstanden?“ „Wissen Sie, was er/sie meint?“ KEINE Rechtfertigung… „Sie brauchen sich nicht zu rechtfertigen. Das Bild ist ja überzogen dargestellt, was vermuten Sie…?“

Teil 3 Vergleich

Im dritten Schritt wird das Fremdbild mit dem Selbstbild verglichen.  

A vergleicht Fremdbild mit Selbstbild B vergleicht Fremdbild mit Selbstbild
  • Durch welches Verhalten könnten wir selbst zu dem Bild beigetragen haben, das der Andere von uns hat?
  • Könnte es sein, dass es eine Situation / Kleinigkeit gegeben hat, dass Partei A/B dieses Bild hat?
  • Wo liegen die Vermutungen, wie dieses Bild entstanden sein könnte?

Schritt 4 Nacheinander im Plenum:

  • Präsentation der gefundenen Erklärungen
  • Gegenseitige Rückfragen über die Erklärungen, weitere Klärungen und Vereinbarungen für zukünftiges Verhalten können jetzt vorgenommen werden.
  • Vereinbarungen in der Mediation

Quelle: Konflikt-Interventionen (Glasl, 1998 nach Blake und Mouton)

Eingereicht von Gisela Krämer, Ausbilderin für Mediation und Coaching. www.pfeos.de

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