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Open Space – ein offener Raum für kreative Arbeit

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Kurzüberblick über Open Space als Großgruppenmethode

Die Autorin dieser Methodenbeschreibung hat die Methode im Rahmen einer Ausbilderkonferenz eintägig kennengelernt und findet sie toll. Warum? Sie lässt Räume offen (im wahrsten Sinne des Wortes), stärkt die Eigenverantwortlichkeit und Selbstfürsorge des Einzelnen (ganz im Sinne von Coaching und Mediation), hilft sehr dabei, komplexe Themen zu bearbeiten mit wirklich guten Ergebnissen und ist transferfähig in andere Phasen oder Arbeitsgruppen. Was will man mehr?

In dieser Beschreibung geht es nicht so sehr darum, Sie komplett zu befähigen, Open Space durchzuführen, sondern Sie mit der Methode bekannt zu machen und zu ermutigen, sich damit auseinanderzusetzen und sie zu nutzen.

Historie und Quellen von Open Space

Die Open Space Methode wurde in den USA von Harrison Owen um 1985 als Großgruppenmethode entwickelt und ist inzwischen weltweit verbreitet. Daneben gibt es weitere Möglichkeiten, größere Gruppen zu organisieren: Barcamp oder Marktplatz-Methode.
Witzigerweise ist die Methode nicht klassisch entwickelt worden, sondern auf der Erkenntnis, dass die Kaffeepausengespräche und deren Nachhaltigkeit am höchsten sind in Veranstaltungen. Also ist Open Space quasi eine Art riesige Kaffeepause. Wo arbeitet und lernt es sich besser als entspannt?

Ziele

  • In kurzer Zeit mit einer großen Zahl von Menschen ein umfassendes Thema bearbeiten.
  • Auch Teilthemen innovativ, zielorientiert und gelöst anzugehen.
  • Weitere Arbeitsgruppen zu verabreden, je nach Notwendigkeit.
  • Handlungslisten zu bestimmen.

Methodenbeschreibung

  1. Alle Teilnehmer sitzen in einem Kreis, werden begrüßt, Ziele, Grenzen und Verfahren des Open Space erläutert.
  2. In der Mitte liegen größere Blätter und Stifte. Die Teilnehmer werden gebeten, aufzustehen, auf einem Blatt ihr Anliegen zu formulieren. Danach wird das Anliegen vorgetragen und ggf. inhaltliche Fragen geklärt. Der Schreiber übernimmt auch die Verantwortung für das Thema.
  3. An einer großen Wand werden die Anliegen den Zeiten und verfügbaren Arbeitsräumen zugeordnet (Anliegenwand). Dazu werden vom Moderator / Veranstalter Zeitfenster vorbereitet. Beispiel: Veranstaltung beginnt um 10 Uhr. Erstes Zeitfenster: 10:45 Uhr, Zweites 12:00 Uhr, Drittes 14:00 Uhr und Viertes 15:15 Uhr. 16:30 Uhr Treffen im Plenum und Nachbesprechung sowie Auswertung / Feedback.
  4. In der Marktphase wird über Anfangszeiten und Räume (Die Räume waren mit kleinen Symbolen bezeichnet: Wellen, Wölkchen, Sonne, Ball…) verhandelt, und jeder trägt sich bei jenen Themen ein, die ihn interessieren. Verhandelt deshalb, weil es ja sein kann, dass jemand ein Anliegen hat und gleichzeitig parallel an einer anderen Veranstaltung teilnehmen möchte. Dann wird über die jeweilige Zeitzuordnung verhandelt, das geht relativ schnell.
  5. Gruppenarbeitsphase: Die Teilnehmenden sind in dieser Zeit selbstorganisiert, halten sich an das Gesetz der zwei Füße und die Grundsätze des Verfahrens. Die Anliegennenner der Arbeitsgruppen sollten die Ergebnisse der Gruppenarbeit dokumentieren. In der Konferenz wurde dazu ein Arbeitsbogen ausgeteilt mit Namen der Teilnehmenden, Thema und Ergebnis.
  6. Die Ergebnisse wurden auf Din A3 vergrößert und an der Gruppenwand ausgehängt.
  7. In der Abschlussrunde gab es die Auswertungsrunde mit Redestab und gleichzeitig von jedem ein Feedback, wer wollte.
  8. Als letzter Schritt wurde der „Raum“ geschlossen und der Tag verabschiedet.
  9. Am nächsten Tag werden die Ergenisse geclustert, priorisiert, ggf. aufgegriffen und Maßnahmenpläne erstellt. Wenn „nur“ ein Tag zur Verfügung steht, kann das vor dem Abschluss noch gemacht werden, damit es sich nicht verläuft..
  10. Was die Autorin praktisch fand, war, dass in der letzten Zeitpruppe eine Arbeitsgruppe den zweiten Tag vorbereitet hat.

Eigenschaften der Themen, Ökologie und Ökonomie

  • Dringend – Das Thema liegt an, betrifft, berührt, Lösungen müssen schnell her.
  • Breit angelegt – Es muss Raum sein für neue Ideen und kreative Lösungen.
  • Komplex – Eine Person allein kann es nicht lösen und bearbeiten, es braucht das Kollektiv.
  • Wichtig – Das Thema hat zentrale Bedeutung für das übergeordnete Thema.

Teilnehmer

Möglichst unterschiedliche Menschen sollten zusammenkommen, multifachlich, altersübergreifend, … Der Blick über den Tellerrand wird dann eher möglich.

Vier Prinzipien des Open Space

  1. Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute – ob eine zweite Person oder 20, jeder einzelne wird ernst genommen und kommt ja auch, weil er motiviert ist, an diesem Thema mitzuarbeiten.
  2. Was auch immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen konnte – (Kein Schaden ohne Nutzen) Auch Ungeplantes und Unerwartetes ist nützlich.
  3. Es beginnt, wenn die Zeit reif ist – Die Pünktlichkeit ist hier nicht wichtig, wer zur Gruppe stößt, arbeitet mit.
  4. Vorbei ist vorbei – Nicht vorbei ist Nicht-vorbei – Wenn es nichts mehr zu sagen gibt, ist die Zeit um, ob nach 15 Minuten oder 2 Stunden.

Gesetz der zwei Füße

Das ist sehr spannend! Das Gesetz der zwei Füße stärkt die freie Entscheidung und Eigenverantwortung des Einzelnen. Jeder einzelne entscheidet für sich, wie lange er sinnvoll in einer Gruppe bleiben möchte und wann er für sich nichts mehr lernt oder beitragen kann.

Dazu gibt es zwei Metaphern, die bildhaft zwei Rollen abbilden: Hummeln und Schmetterlinge
Hummeln fliegen von Gruppe zu Gruppe und „befruchten“ jede Gruppe auf ihre Weise. Sie sind da und es ist gut.
Schmetterlinge bummeln, pausieren, sind einfach da. Meist gesellt sich jemand dazu und wirklich gut Gespräche kommen zustande.

Zeitumfang von Open Space: Die Dauer reicht von einem Tag bis 2,5 Tage.

Zusammengefasst

  • Es gibt keine klassische Tagesordnung, sondern die Themen werden von den Teilnehmern bestimmt.
  • Keine Vortrager und vorgegebene Aufgaben.
  • Lösungsoffenheit.
  • Freiwilliges Verfahren und freiwillige Teilnahme!
  • Open Space führt rasch zu vertieftem Kennenlernen und gegenseitiger Akzeptanz.
  • Es gab auch bei der Ausbilderkonferenz wie in Open Space wichtig ein Pausenbuffet und ein variabler Zugang zu einer Kantine oder mittags eine Erweiterung des Buffets. Damit ist der Übergang der Themen unabhängig von einer Mittagspause absolut gegeben.
  • Wichtig ist eine saubere und umfassende Vorbereitung, Open Space ist nichts, was „mal schnell“ als Methode ausgepackt wird.
  • Am Schluss liegt eine Dokumentation vor (Papier oder Fotodokumentation über Mail oder Link abrufbar).

Alternative

Auch online kann Open Space sehr bereichernd sein, wenn gemeinschaftlich an einem Thema gearbeitet wurde und wird und ein perfektes Allgemeingut entstanden ist (Linux Betriebssystem).

Eingereicht von: Gisela Krämer vom Kompetenz-Zentrum PFEOS

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