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Kommunikations-Quadrat oder 4-Ohren-Modell von Schulz-von-Thun

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Hermann: „Bertaaaa.“. Berta: „Jaaa.“.
Hermann: „Das Ei ist hart.“
Schweigen.
Hermann: „Das Ei ist hart.“ Berta: „Ich habe es gehört.“
Hermann: „Wie lange hat das Ei denn gekocht?“
Berta: „Zu viele Eier sind gar nicht gesund.“

Loriot-Sketche bringen mich immer wieder zum Schmunzeln, weil sie mir auf authentische Weise die Realität unseres Miteinanders vor Augen führen ohne vorzuführen. Loriot verstand es, Alltagssituationen in eine charmante Komik zu verpacken. Heute sehe ich sie als Lernen am Modell.
Das Beispiel „Das Ei ist hart.“ ist eine ideale Grundlage dem Coachee anhand des Kommunikationsquadrat zu begründen, wie Störungen in unserer Kommunikation entstehen,  dass Missverständnisse darauf beruhen, wie wir selbst eine Nachricht senden und wie diese dann beim Empfänger ankommt – also wie der Empfänger die Nachricht hört.

Die Aussage „Ich bin nur für das verantwortlich, was ich sage und nicht für das, was du hörst.“ ist nur die halbe Wahrheit.

  • Eine gesunde Kommunikation lebt von gegenseitiger Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.
  • Das Quadrat unterstützt die eigene Wahrnehmung und sensibilisiert zur Fremdwahrnehmung.
  • Störungen auf der Beziehungsebene erschweren die Kommunikation auf der Sachebene. Es braucht Klarheit.
  • Das Kommunikationsquadrat hilft bei der Analyse von Störungen, Unklarheiten und Missverständnissen.

In der Literatur wird es auch als Vier-Ohren-Modell, Vier-Seiten-Modell oder Nachrichtenquadrat bezeichnet. Hierbei handelt es sich um das gleiche Modell. Entwickelt hat es Schulz von Thun auf Grundlage von Konzepten Karl Bühlers und Paul Watzlawicks sowie Batesons „interpretierendes System“.

Zeigen Sie Ihrem Coachee mit dem Kommunikationsquadrat, dass jede Aussage eines Menschen eine vierfache Wirkungsweise erzeugt und gleichzeitig auch vier Botschaften sendet. Erweiternd zum Eisbergmodell (Sachebene und Beziehungsebene) gibt es neben einem Sachinhalt und einem Beziehungsaspekt auch eine Selbstkundgabe und einen Appell.

Der Sachinhalt:

  • Sollte im Berufsleben hauptsächlich im Vordergrund stehen

Beruht auf drei Kriterien:

  • Wahrheit („Trifft der ausgesprochene Sachverhalt zu?“)
  • Relevanz („Ist er von Bedeutung für das anstehende Thema?)
  • Hinlänglichkeit („Reichen die benannten Inhalte oder fehlen noch weitere Betrachtungsweisen?)

Der Beziehungsaspekt:  Spricht in der Du-Botschaft

  • WAS ich von jemandem halte und WIE ich zu jemanden stehe, zeige ich bewusst und unbewusst (z.B. Mimik, Gestik, Ton) mit jeder Äußerung – ob ich das nun will oder nicht.
  • Und der Gegenüber hört auf dem Beziehungsohr besonders gut.

Die Selbstkundgabe: Spricht in der Ich-Sprache

  • Sobald ich mich äußere, gebe ich auch etwas von mir bekannt (z.B. Wie ich zu dem Sachthema stehe. Wie ich meine Rolle sehe. usw.)
  • Dies geschieht entweder explizit oder implizit
  • Wie viel Wahrheit von mir gebe ich in welcher Situation preis?

Der Appell:

  • Ist besonders im beruflichen Kontext wichtig, um meine Ziele zu erreichen (Aufträge, Anweisungen)  und wird letztlich
  • überall gebraucht als Vorstufe zur Vertragsarbeit

Vorgehensweise beim 4-Ohren-Modell

Unterstützen Sie Ihren Coachee darin, aus z.B. dem harmlosen Satz: „Das Ei ist hart.“ mögliche Botschaften des Senders und mögliches Gehörtes des Empfängers darzustellen.

  • Welche Seiten fallen leicht zu interpretieren?
  • Wo liegen Stolpersteine?
  • Eher beim Sender oder eher beim Empfänger?
  • Was ist da los?

In jeder Äußerung befindet sich ein Wusel an ausgesprochenen und unausgesprochenen Botschaften, die sich auf verschiedenen Seiten oder auf der gleichen Seite tummeln. Alle vier Seiten einer Nachricht haben jeweils einen „Schnabel“, der spricht und jeweils ein Ohr, das hört. Mit Hilfe des Modells kann der Coachee üben seine eigenen Aussagen analytisch zu betrachten und deren Wirkung auf den Gegenüber aufmerksam zu beobachten.

Besonders im Berufsleben sollte der Bezug zum Sachinhalt Vorrang haben. Es ist jedoch nur eine Seite – im Miteinander schwingen die persönlichen Aspekte immer mit. Vier Schnäbel sprechen von vier Seiten zu vier Ohren. Vier Ohren hören von vier Schnäbeln vier Seiten.

So können Sie verschiedene Sätze, die Konflikte ausgelöst haben oder mit denen sich der Coachee nicht wohl fühlt sowohl auf Senderaspekte als auch auf vermutete Empfängeraspekte hin beleuchten und Neues ausprobieren.

Quellen: Schulz von Thun

Einzelmethode oder Teilnehmerkreis: sowohl als auch – beides ist möglich

Benötigte Materialien: Flipchart, Papier, Pinwand oder Whiteboard, Stifte (möglichst mehrere Farben)

Geschätzter Zeitaufwand: 30 Minuten

Weitere Methoden: Eisberg-Modell, Der Teufelskreis, Vertragsarbeit

Varianten:

  • Ein Raum wird zum Kommunikationsquadrat. Vier Seiten – jeder Seite wird ein Begriff zugeordnet: Sachinhalt, Appell, Beziehungsaspekt, Selbstkundgabe.
  • Ein Satz wird jeweils auf insgesamt vier Blätter geschrieben und zu jeder Seite gelegt.
  • Die Teilnehmer / der Coachee gehen nun von Seite zu Seite und HÖREN mit ihrem jeweiligen Ohr (Sachohr, Beziehungsohr, Appellohr, Selbstkundgabeohr).
  • Schreiben sie jetzt bitte unter den Satz das, WAS sie gehört haben.
  • Die Sammlung an neuen Varianten wie das Gesagte gehört werden kann, verdeutlicht die Leichtigkeit der Entstehung von Störungen in der Kommunikation.

Anekdoten aus der Praxis:
Im Studium habe wir eine Präsentation über die Modelle der Metakommunikation nach Schulz von Thun durchgeführt. Mit dem Video „Das Ei ist hart“ von Loriot begannen wir unsere „Stunde“ und hatten die gesamte Dauer unserer Präsentation die Zuhörer auf unserer Seite. Zwei Minuten und dreizehn Sekunden am Anfang und wir hatten 60 Minuten Aufmerksamkeit.  Vermutlich hat sich fast jeder Zuhörer wiedergefunden im Dialog von Berta und Hermann.

Eingereicht von Katja Jungmann für www.pfeos.de

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