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Mit Kinderfragen die Perspektive wechseln

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Perspektive wechseln

Kinderfragen erweitern die Perspektive

Kinder haben im Vergleich zu uns Erwachsenen einen beneidenswerten Vorteil: Sie dürfen uns Löcher in den Bauch fragen bis wir Ihnen die Antwort geben, die für sie verständlich ist und Sinn macht. Als Erwachsener unterlassen wir Fragen wie „Warum ist die Banane krumm?“ oder „Warum sind Postautos gelb?“.
Aus der Sicht eines Kindes Fragen zu stellen eröffnen dem Coach neue Möglichkeiten Eingefahrenes, Normen und Gewohnheiten im wahrsten Sinne des Wortes in Frage zu stellen. Hier liegen die Fragen, die sich der Coachee nicht mehr stellt oder jemals gestellt hat. Beispielsweise „Warum räume ich die Wohnung meines Sohnes auf, wenn ich lieber Wandern gehen möchte?“ oder „Wieso sage ich meiner Kollegin, die mit mir ins Kino will, nicht einfach, dass ich nicht mit ihr ins Kino will?“. Je länger ein Mensch in einem System lebt, umso mehr fühlt er sich diesem System verpflichtet. Mit Kinder-Fragen schenken wir unserem Coachee neue Denkanstöße. Die Löcher im Bauch wirken hier sozusagen wie eine frische Brise.

Einsetzbar in beruflichen wie privaten Fragen

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Es geht darum, mit ganz unvoreingenommenen Fragen, die einfach und zirkulär gestellt werden. Berufliche Themen sind genauso nutzbar mit dieser Methode wie klassische private Diskussionen. Denn für ihn ist es z.B. selbstverständlich, jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Auch wenn er Bauchgrummeln hat – das gehört für ihn dazu. Also überlegt er wie er das Bauchgrummeln „wegbearbeitet“. Eine Kinder-Frage kann hier unterstützen über das, was für ihn alltäglich  und selbstverständlich ist, nachzudenken. Sie hinterfragen sozusagen kinderleicht das Gegebene ohne das der Gegenüber sich „auf den Schlips getreten“ fühlt.

Ablauf

  1. Erklären Sie dem Coachee, warum Sie in der Rolle eines Kindes Fragen stellen wollen: „Wenn Sie einverstanden sind, gehe ich jetzt in die Rolle eines Kindes, dass voller Naivität und Unvoreingenommenheit auf Ihr Anliegen schaut. Ich glaube die Rolle unterstützt mich vermeintliche Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen. Für Sie würden sich vielleicht so neue Gedanken auftun. In meiner Rolle als Kind duze ich Sie vorübergehend. Einverstanden?“
  2. Gehen Sie auch körperlich in die Rolle eines Kindes. Achten Sie auf Ihre Sitzhaltung, z.B. auf die Knie setzen. Nehmen Sie zusätzlich ein Kuscheltier oder Spielzeug in die Hand.
  3. Verändern Sie leicht die Tonlage und zwar so, dass klar wird, dass sie als Kind sprechen, aber nicht albern wirken. Kinder stellen Fragen ja auch ganz ernsthaft. Nun geht’s los. Sie hinterfragen mit Kinderaugen und Kinderohren genau das, was Ihr Coachee ungefragt hinnimmt.Beispielsweise beklagt sich die Coachee über den chaotischen Zustand der Wohnung Ihres Sohnes und dass es ihr viel Kraft und Zeit kostet die Wohnung aufzuräumen. Das Kind will wissen: „Ich muss mein Zimmer immer selbst aufräumen. Was kann ich tun, dass das meine Mama auch ab sofort für mich macht?“ oder „Woher weißt du wie die Wohnung aussieht?“ oder „Ich finde mein Zimmer okay und die Mama schimpft es sei unordentlich. Schimpfst du auch mit deinem Sohn?“oderDer Coachee überlegt, ob er das Angebot einer Beförderung zur Führungskraft annehmen soll.
    „Warum möchtest du Führungskraft werden?“ „Warum willst du freiwillig mehr arbeiten?“  „Hast du dann mehr Arbeit als vorher?“ „Warum möchtest du mehr arbeiten?“Der Kunde möchte bestimmte Mitarbeiter dazu veranlassen, das ihn mehr in seinem Projekt mitarbeiten. Die Kollegen verhalten sich noch unschlüssig und begründen das mit genügend eigener Arbeit.
    „Macht das Projekt Spaß?“ „Wenn alle mitmachen, was machst dann du?“
  4. Diese „naiven“ Fragen können Wege zu neuen Gedanken bauen, wenn der Coachee sich diese Fragen ernsthaft stellt.
  5. Bitten Sie Ihren Coachee alle Antworten kindgerecht zu formulieren. Sobald Sie als Kind die Antwort unlogisch finden, fragen Sie mit der nächsten Kinder-Frage nach. Kinder dürfen das.
  6. Beenden Sie das Rollenspiel, indem Sie es formulieren und sichtbar aus Ihrer Rolle gehen. Sie sind wieder Coach. Erkennen Sie die erfolgreiche Arbeit Ihres Coachee an. Werten Sie anschließend alle Gedanken, Erkenntnisse, Ideen und Anregungen mit Ihrem Coachee aus, die er mit nach Hause nehmen will.
Risiko: Sofern Ihr Coachee mit deutlicher Irritation reagiert auf Ihre Rolle, nehmen Sie die Perspektive eines Kindes nur noch indirekt ein. Beispielsweise: „Wahrscheinlich fragt ein Kind jetzt nach, warum Sie …“
Quelle: vgl. Wehrle, Martin: Die Coaching-Schatzkiste. 150 kostbare Impulse für Entdecker – darunter 50 Methoden, 30 Checklisten, 20 Storys und über 850 Coaching-Fragen. managerSeminare, 2018.
Geeignet als Einzelmethode.
Benötigte Materialien: Spielzeug oder Kuscheltier

Geschätzter Zeitaufwand: etwa 60 Minuten

Im Anschluss an Methoden – welche Methoden folgen ggf:
  • Visualisierung der neuen Erkenntnisse
  • Diskussion bzw. Bewertung der neu gewonnenen Erkenntnisse
  • Entwicklung eines Maßnahmenplans, z.B. neue Verhaltensweise, To-Do-Liste,

Weitere Kategorien:

  • Perspektivenwechsel
  • Kreative Methode
  • Rollenspiel
  • Wahrnehmung
  • Fragen

Varianten:

  • Um dem Coachee Zeit zu geben sich in das Rollenspiel einzulassen, beginnen Sie mit einem älteren Kind (12 Jahre) und senken Sie während des Rollenspiels allmählich die Altersstufe auf etwa 5 Jahre.

eingereicht und bearbeitet von Katja Jungmann und Gisela Krämer www.pfeos.de

 

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