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Die Friedensbrücke ist eine kurze und wirkungsvolle Gesprächsmethode für Konfliktklärung, Mediation, Coaching und Training. Mithilfe von sechs Stühlen erleben die Beteiligten bewusst die drei zentralen Perspektiven eines Klärungsgesprächs: die eigene Sicht (ICH), die Perspektive des Gegenübers (DU) und die gemeinsame Zukunft (WIR).

Die Methode macht sichtbar, dass Lösungen häufig erst dann entstehen, wenn Menschen sich zuvor verstanden fühlen.

  • Eigene Sichtweise klar ausdrücken
  • Die Perspektive des Gegenübers verstehen
  • Kontakt und Verständnis fördern
  • Missverständnisse reduzieren
  • Gemeinsame Lösungen entwickeln

2 Personen im Gespräch

Beliebig viele Beobachter:innen

15 Minuten

  • ca. 10 Minuten Gespräch
  • ca. 5 Minuten Reflexion
  • 6 Stühle
  • ausreichend Platz

Die Stühle werden paarweise gegenüber aufgestellt mit der Sitzfläche zueinander. Lege auf die Stühle beschriftete Karten oder PostIts mit diesen Worten:

ICH – ICH

DU – DU

WIR – WIR

  • Zwei Personen bringen eine konkrete Situation ein, die bisher nicht zufriedenstellend gelöst werden konnte.
  • Die übrigen Teilnehmenden stehen oder sitzen so, dass sie das Gespräch beobachten können, ohne in das Gespräch einzugreifen.
  • Die Mediatorin oder Moderatorin erklärt kurz den Ablauf und weist auf die drei Gesprächsbereiche hin. Die Inhalte der drei Phasen werden zunächst nicht erklärt. Die Beteiligten sollen die Wirkung der Perspektivwechsel zuerst erleben.
  • Anschließend beginnt unmittelbar das Gespräch.
  • Die beiden Beteiligten starten auf den ICH-Stühlen.
  • Während des Gesprächs steuert die Mediatorin den Wechsel zwischen den Stühlen ausschließlich durch Handzeichen oder kurze Hinweise.
  • Zunächst wird auf den ICH-Stühlen gesprochen.
  • Anschließend wechseln die Beteiligten auf die DU-Stühle.
  • Später erfolgt der Wechsel auf die WIR-Stühle.

Die Inhalte der einzelnen Phasen werden nicht vorab ausführlich erklärt. Die Beteiligten sollen die Wirkung der Perspektivwechsel zunächst erleben.

Erst nachdem die ersten Lösungen oder Verständigungen entstanden sind, wird das Gespräch beendet und reflektiert.

Die Methode arbeitet mit einer konkreten Situation, die für beide Beteiligten noch nicht zufriedenstellend geklärt wurde.

Dabei sollte es sich um ein tatsächlich erlebtes Ereignis handeln und nicht um eine allgemeine Grundsatzdiskussion.

Geeignet sind Situationen, bei denen:

  • ein Missverständnis entstanden ist
  • eine Verletzung oder Enttäuschung im Raum steht
  • ein Gespräch immer wieder im Kreis läuft
  • unterschiedliche Erwartungen aufeinandergetroffen sind
  • eine Entscheidung oder Handlung nachwirkt

Wichtig ist, dass beide Beteiligten die Situation kennen und sich an das Ereignis erinnern können.

Beispiele:

  • Eine Führungskraft und ein Mitarbeitender sprechen über ein Feedbackgespräch, das bei beiden unterschiedlich angekommen ist.
  • Zwei Teammitglieder klären eine Situation, in der Aufgaben nicht wie vereinbart erledigt wurden.
  • Zwei Kolleg:innen sprechen über einen Konflikt in einer Besprechung.
  • Ein Elternteil und ein erwachsenes Kind bearbeiten einen wiederkehrenden Streitpunkt.
  • Zwei Teilnehmende einer Ausbildung reflektieren eine Situation, in der sie sich missverstanden gefühlt haben.

Weniger geeignet sind sehr allgemeine Themen wie:

  • „Wir kommunizieren immer schlecht.“
  • „Du hörst nie zu.“
  • „Unsere Zusammenarbeit ist schwierig.“

Je konkreter die Situation beschrieben werden kann, desto leichter gelingt der Perspektivwechsel zwischen ICH, DU und WIR.

Zunächst werden die beiden Gesprächspartner befragt.

Mögliche Fragen:

  • Wann waren Sie miteinander in Kontakt?
  • Wann wurde das Gespräch leichter?
  • Wann entstand Bewegung?
  • Ab welchem Zeitpunkt wurden Lösungen möglich?

Anschließend werden die Beobachter:innen einbezogen.

Mögliche Fragen:

  • Was haben Sie wahrgenommen?
  • Wann wirkte das Gespräch festgefahren?
  • Wann entstand Kontakt?
  • Was hat sich zwischen den Phasen verändert?
  • Wann wurde Verständigung sichtbar?

Interessanterweise wird der Moment des Verstandenwerdens häufig den DU-Stühlen zugeordnet.

In dieser Phase steht die eigene Perspektive im Mittelpunkt.

Die Beteiligten beschreiben:

  • Was ist passiert?
  • Wie habe ich die Situation erlebt?
  • Was hat mich beschäftigt?
  • Was ist mir wichtig?
  • Was wünsche ich mir?

Mögliche Formulierungen:

  • „Ich habe die Situation so erlebt, dass …“
  • „Mich hat besonders beschäftigt, dass …“
  • „Mir ist wichtig, dass …“
  • „Ich möchte erklären, was bei mir angekommen ist.“

Ziel ist Klarheit über die eigene Sichtweise, ohne Schuldzuweisungen oder Diskussionen.

In dieser Phase richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Gegenüber.

Die Beteiligten versuchen zu verstehen, statt zu überzeugen.

Hilfreich sind:

  • Aktives Zuhören
  • Spiegeln
  • Paraphrasieren
  • Nachfragen

Mögliche Formulierungen:

  • „Habe ich Sie richtig verstanden, dass …?“
  • „War Ihnen dabei besonders wichtig, dass …?“
  • „Wie war das für Sie?“
  • „Wenn ich Sie richtig verstehe, dann …“

Ziel ist nicht Zustimmung, sondern Verstehen.

Jetzt richtet sich der Blick nach vorne.

Gemeinsam wird erkundet:

  • Was verbindet uns?
  • Was brauchen wir künftig?
  • Welche Lösungen sind denkbar?
  • Welche Vereinbarungen helfen uns?

Mögliche Formulierungen:

  • „Was brauchen wir, damit das künftig besser gelingt?“
  • „Was wäre für uns beide hilfreich?“
  • „Welche Vereinbarung möchten wir treffen?“
  • „Wie können wir gemeinsam weitergehen?“

Ziel ist die Entwicklung tragfähiger und gemeinsamer Lösungen.

Die Friedensbrücke zeigt immer wieder ein interessantes Muster:

Die meisten Teilnehmenden berichten später, dass sie sich auf den DU-Stühlen erstmals wirklich verstanden gefühlt haben. Nicht die Lösung erzeugt Verbindung.

Die Erfahrung vieler Durchführungen zeigt: Lösungen entstehen häufig erst dann, wenn Menschen sich zuvor verstanden fühlen. Genau deshalb bildet die DU-Phase das Herzstück der Friedensbrücke.

Die Friedensbrücke führt Schritt für Schritt vom eigenen Erleben über das Verstehen des Gegenübers hin zu gemeinsamen Lösungen.

Sie macht sichtbar, dass Konfliktklärung oft nicht mit Lösungen beginnt, sondern mit dem Moment, in dem Menschen erleben:

„Mein Gegenüber hat verstanden, was ich sagen wollte.“

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