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Wenn Geschichten neue Perspektiven öffnen
Kennst du das? Du erklärst etwas zum dritten Mal und trotzdem verändert sich nichts. Manchmal öffnet eine kleine Geschichte mehr Türen als das beste Argument.
Zwei Menschen sitzen sich seit einer Stunde gegenüber. Jeder erklärt, warum er recht hat. Dann erzählt der Mediator eine kurze Geschichte von zwei Wanderern, die denselben Berg von unterschiedlichen Seiten sehen. Plötzlich wird es still.
Genau das kann Storytelling bewirken.
Geschichten wecken Erinnerungen, verbinden Gefühle und machen komplexe Zusammenhänge verständlich. In Mediation und Coaching können sie helfen, festgefahrene Sichtweisen zu lösen, neue Bilder entstehen zu lassen und Gespräche wieder in Bewegung zu bringen.
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Wenn Argumente nicht mehr weiterhelfen
In schwierigen Gesprächen werden häufig immer neue Argumente ausgetauscht. Trotzdem verändert sich wenig. Die Beteiligten bleiben bei ihrer Sichtweise, reagieren defensiv oder drehen sich im Kreis.
Eine Geschichte setzt an einer anderen Stelle an. Sie erklärt nicht nur, sondern erzeugt ein inneres Bild. Dadurch kann etwas verständlich werden, ohne dass es direkt bewertet oder verteidigt werden muss.
Menschen erkennen sich in einer Situation wieder, entdecken Parallelen zum eigenen Erleben oder betrachten einen Konflikt aus einer ungewohnten Perspektive.
Was Geschichten bewirken können
Geschichten können helfen,
- komplexe Zusammenhänge anschaulich zu machen,
- Abstand zu einer belastenden Situation zu gewinnen,
- Gefühle und Bedürfnisse leichter anzusprechen,
- neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken,
- Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen,
- festgefahrene Gespräche zu öffnen.
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🚀 Jetzt Zugang sichernDabei geht es nicht darum, Menschen mit einer Geschichte zu überzeugen. Eine Geschichte ist eine Einladung. Sie bietet ein Bild an, das aufgenommen, verändert oder auch abgelehnt werden darf.
Eine Geschichte muss zum Moment passen
Storytelling braucht Aufmerksamkeit für die Situation.
Eine Geschichte kann noch so passend erscheinen: Wenn der Zeitpunkt nicht stimmt oder die Beteiligten sich darin nicht wiederfinden, bleibt sie wirkungslos. Im ungünstigsten Fall wirkt sie belehrend.
Deshalb ist entscheidend:
- Passt die Geschichte zur aktuellen Situation?
- Ist sie kurz und verständlich?
- Lässt sie genügend Raum für eigene Deutungen?
- Unterstützt sie den Prozess, ohne eine Lösung vorzugeben?
Eine hilfreiche Geschichte öffnet. Sie erklärt nicht, was jemand denken oder tun soll.
Geschichten erzählen – ruhig und einfach
Eine Geschichte braucht keine große Inszenierung.
Oft genügt eine kurze Szene aus dem Alltag, ein Vergleich oder eine Metapher. Wichtig ist, langsam zu erzählen, Pausen zu lassen und nicht sofort zu erklären, was die Geschichte bedeuten soll.
Die Wirkung entsteht häufig erst in der Stille danach.
Eine einfache Frage kann den Übergang zurück ins Gespräch schaffen:
Was davon passt für dich zu deiner Situation?
Oder:
Gibt es etwas in dieser Geschichte, das dich gerade anspricht?
Storytelling in Mediation und Coaching
In Mediationen können Geschichten helfen, Konfliktdynamiken sichtbar zu machen, ohne einzelne Personen direkt in den Mittelpunkt zu stellen.
Im Coaching unterstützen sie dabei, innere Muster, Entscheidungen oder widersprüchliche Bedürfnisse zu betrachten.
Auch in Trainings und Gruppenprozessen können Geschichten einen gemeinsamen Ausgangspunkt schaffen. Sie verbinden fachliche Inhalte mit Erfahrungen und machen Themen leichter erinnerbar.
Aus der Praxis
In meiner Ausbildung zur Mediatorin hörte ich eine Geschichte, die mich bis heute begleitet. Damals wurde mir deutlich, dass eine Geschichte nicht nur etwas erklärt. Sie kann einen Raum öffnen, in dem Menschen ihre eigene Bedeutung entdecken.
Seitdem nutze ich Geschichten bewusst und sparsam. Sie ersetzen keine Fragen, keine Klärung und keine sorgfältige Prozessbegleitung. Aber im passenden Moment können sie etwas in Bewegung bringen, das vorher mit Worten allein kaum erreichbar war.
Die passende Geschichte finden
Nicht jede Geschichte muss neu erfunden werden. Hilfreiche Anregungen finden sich in Alltagssituationen, Märchen, Fabeln, Filmen, eigenen Erfahrungen oder kurzen Beobachtungen.
Entscheidend ist weniger die Quelle als die Frage: Passt diese Geschichte zu den Menschen und zu dem, was gerade im Raum ist?
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