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Das Werte- und Entwicklungsquadrat

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Das Werte- und Entwicklungsquadrat gehört zu den fünf kommunikationspsychologischen Modellen, die Friedemann Schulz von Thun entwickelt hat, um zwischenmenschliche Kommunikationssituationen zu analysieren. Die Modelle können zusammen oder einzeln voneinander angewendet werden.

Das Werte- und Entwicklungsquadrat eignet sich gut, um Ressourcen und Entwicklungsrichtungen zu bestimmen, aus  „gefühlten“ Schwächen die Stärken aufzuzeigen und gleichzeitig die Richtung der persönlichen (Weiter-)Entwicklung zu bestimmen. Ebenso zeigen sich für die Stärken in der Übertreibung auch die Schwachpunkte auf.

Die Methode unterstützt den Coachee, sich mit seinen Werten auseinanderzusetzen, zu bestimmen, was ihm wichtig ist im Leben, Verständnis für das eigene Verhalten zu entwickeln und eine Entwicklungsrichtung aufzuzeigen. Damit lernt der Coachee, dass er für das einstehen kann, was ihm wichtig ist und wie er das abgrenzt und Anderen gegenüber formuliert.

Arbeit mit dem Entwicklungsquadrat

Jeder Wert (jede Tugend, jedes Leitprinzip, jede menschliche Qualität) kann nur dann zu einer konstruktiven Wirkung gelangen, wenn er sich in Balance zu einem positiven Gegenwert, einer „Schwesterntugend“ befindet. So braucht es neben Sparsamkeit auch Großzügigkeit, um nicht zum Geizhals zu verkommen und umgekehrt bewahrt die Balance mit Sparsamkeit den Großzügigen vor der Verschwendung.
Das Werte- und Entwicklungsquadrat besteht aus vier Feldern, die im Entwicklungsquadrat in Beziehung zueinander stehen. Der obere Bereich des Quadrats ist zwei Tugenden vorbehalten, wobei zunächst nur eine eingefügt wird. Im darunterliegenden Bereich befinden sich die entsprechenden Untugenden. Das Quadrat füllen Sie schrittweise aus. Sie können bei der Tugend als auch bei der Untugend beginnen.

Wertequadrat Beispiel, bitte auf Vorschaubild klicken

Häufig können wir unsere „Defizite“ exakter bestimmen als unsere Stärken.

In diesem Beispiel beginnen wir bei dem positiven Wert: Zunächst wird eine Tugend (1) eingetragen, die als Ressource erkannt wurde. Im obengenannten Beispiel ist Sparsamkeit bereits gut ausgeprägt und kann als solche als Tugend eingetragen werden. Die korrespondierende Untugend (Untugend 1) zeigt sich im Geiz. Zu diesem Duo lässt sich nun ein Komplement (Tugend/Untugend 2) finden, das das Wertequadrat vervollständigt und die Entwicklungsrichtung aufzeigt. Als Gegenpol /Gegenteil der Untugend, sich geizig zu verhalten, kann die übermäßige Verschwendung eingetragen werden. Sucht man hierzu die passende Tugend (2) Großzügigkeit, ergibt sich die Entwicklungsrichtung vom Geiz zur großzügigen Sparsamkeit.

Ziele

  • In empfundenen Schwächen Ressourcen erkennen und neue Entwicklungsmöglichkeiten aufdecken
  • Persönliches Wachstum fördern

Quellen: Schulz von Thun
Einsatz: Einzelcoaching, Selbstcoaching, Teamcoaching
benötigte Materialien: Flipchart, Block im Einzel, Stifte
geschätzter Zeitaufwand: je nach Verwendung 15 bis 60 Minuten

Weiterarbeit

  • Weitere Schritte planen, die eine Entwicklung unterstützen
  • Das Innere Team
  • Kommunikationsquadrat – Die vier Seiten einer Nachricht
  • Varianten: Wer die Methode beherrscht, kann das Wertequadrat auch im Selbstcoaching nutzen.

Wertequadrat im Team

Bei Meinungsverschiedenheiten und leichten Konflikten in Teams hilft das Werte- und Entwicklungsquadrat verschiedene Haltungen und Werte zu identifizieren und zusammen zu führen. Hierbei führen Sie Vorwürfe (Schwächen/Untugenden) des „Gegenübers“ / der anderen Konfliktpartei mit den Werten (Stärken/Tugenden) zusammen. Das gleiche gilt für die eigene Tugend und die entsprechende Untugend dazu. So werden zwei sich augenscheinlich widersprechende Extreme visualisiert und diskutierbar.

Ziel ist es eine verständnisvolle Betrachtungsweise herzustellen und die Erkenntnis, dass die jeweiligen Werte gemeinsam zielführende sind.

Praxisbeispiel für Teamarbeit

In der Literatur fand ich ein klassisches Praxisbeispiel aus der Pflege von Sabine Mara Roth, das ich sinngemäß vorstellen möchte als Beispiel für die Arbeit mit Wertequadraten in Teams: Aus eigener Erfahrung kenne ich ein allgegenwärtiges Diskussionsthema unter Fachpersonal, das im Bereich Pflege und Gesundheit arbeitet.

Wertequadrat Beispiel für Teams, bitte auf Vorschaubild klicken

  • Eine Seite findet es wichtig, sich mehr Zeit für den Patienten zu nehmen, um Pflege fachgerecht, respektvoll und  emphatisch ausführen zu können.
  • Die andere Seite ist eine fachgerecht ausgeführte Pflege, die Qualität und Wirtschaftlichkeit fokussiert, wichtig um Verzögerungen im Arbeitsablauf zu minimieren.
  • In dem angeführten Beispiel fallen abwertende Bemerkungen und Vorwürfe gegenüber den Konfliktparteien. Gemeinsam wird in einem Gespräch ein Wertequadrat entwickelt.

Entweder : Oder wird zum Sowohl : Als auch

Ziel ist es zu erkennen, dass Menschlichkeit UND Effektivität zusammen zum Ziel führen und aus der Entweder : Oder – Haltung heraus zu kommen, um zum Sowohl : Als auch – Blickwinkel zu wechseln.

Das erreicht eine ganz andere Fragestellung und hört auf gegeneinander zu arbeiten und stattdessen miteinander eine Lösung zu suchen
Wie beides gehen kann und wird mit allen realistischen Punkten.

 

2015 eingereicht von Britta Fuchs
2017 überarbeitet und ergänzt von Katja Jungmann

 

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